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DRK Stadtverband Bocholt e.V.
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Das Bocholter DRK - Von den Anfängen bis zur Gegenwart

Die ersten Bemühungen, Ideen Henry Dunants, dem Gründer des Roten Kreuzes, in die Tat umzusetzen, liegen in Bocholt 146 Jahre zurück. Sieben Monate nach der Gründung des Roten Kreuzes bildete sich 1864 ein "Lokalverein Bocholt und Liedern", der sich dem "Zentralverein zur Pflege verwundeter und erkrankter Krieger" angeschlossen hatte. 89 Personen aus Bocholt und den heutigen Ortsteilen Hemden, Spork, Liedern und Barlo trugen sich als Mitglieder bzw. als Wohltäter mit ihren Spenden in Listen ein. Dieser Verein trat im Laufe der Zeit mal mehr oder weniger in Erscheinung, die Bocholter Bevölkerung spendete in Kriegs- und sonstigen Notzeiten besonders gern. Heute zählt das Bocholter Rote Kreuz über 2100 fördernde Mitglieder, die seine Arbeit damit anerkennen und unterstützen. 

Durch Königin Auguste, der Gemahlin König Wilhelms I. von Preußen, war in Berlin am 11. November 1866 aus den weiblichen Hilfskräften des "Preußischen Vereins zur Pflege im Felde verwunderter und erkrankter Krieger" der Vaterländische Frauenverein ins Leben gerufen worden. 20 Jahre später, im Juni 1886, wurde auch in Bocholt auf Grund langjähriger Bemühungen durch Bürgermeister Degener der Vaterländische Frauenverein gegründet. Dieser Verein war überkonfessionell und setzte sich aus katholischen und evangelischen Christen und Juden zusammen. Im Wesentlichen wurde in Not geratenen Menschen bei Brand, Überschwemmung usw. mit Geldspenden geholfen. Große Verdienste erwarb sich der Vaterländische Frauenverein im Ersten Weltkrieg und durch die Mitarbeit in dem 1909 von der Stadt Bocholt gegründeten Bocholter "Verband für Armenpflege und Wohltätigkeit".

Im Herbst 1891 bildete sich in Bocholt eine Sanitätskolonne zur Pflege der im Felde verwundeter und erkrankter Krieger. Kreisphysikus Sanitätsrat Dr. Munsch aus Bocholt schrieb dazu: "Die Sanitätskolonne besteht aus jungen nicht dienstpflichtigen Kaufleuten und Männern älterer Jahrgänge, die von einer Mobilmachung nicht leicht getroffen werden. Es sind im vorherigen Herbst praktische Übungen abgehalten worden." - In der Vorstandssitzung vom 2. August 1914 wurde beschlossen, dass die Sanitätskolonne und der Vaterländische Frauenverein sich vereinigen werden, um künftig gemeinsam die Fürsorge für die im Feld verwundeten und erkrankten Krieger aufzunehmen. Von den 36 Mitgliedern der Kolonne zogen 29 in den Krieg. Die übrigen sieben waren oft Tag und Nacht mit dem Vaterländischen Frauenverein im Einsatz, wenn Verwundete am Bahnof ankamen und in hiesige Lazarette (St.-Agnes-Hospital und Hospiz) transportiert wurden.

Einem Tätigkeitsbericht der Sanitätskolonne von 1931 ist zu entnehmen, dass neben Sportveranstaltungen auch Sanitätswachen bei größeren Menschenansammlungen (Kirmes, Martinszug, Zirkus und größere politische Veranstaltungen) gestellt werden müssten. "Drei Mitglieder müssen an jedem Sonn- und Feiertage zu Hause bleiben, um für den Krankentransport zur Verfügung zu sein. Die Wohnungen der Mitglieder sind als Unfallmeldestellen gekennzeichnet."

Ab 1938 gab es nur noch die Bezeichnung "DRK männliche Bereitschaft" und "DRK weibliche Bereitschaft". Die aktiven Helferinnen und Helfer sind auch heute noch in Bereitschaften strukturiert, genießen gute Ausbildungen von der einfachen Erste-Hilfe-Ausbildung bis zum Rettungssanitäter usw. Der Zweite Weltkrieg forderte von den DRK-Mitgliedern vielfältige Aufgaben. In der Chronik der Stadt Bocholt wurden viele Einsätze des Roten Kreuzes festgehalten. Was damals geleistet wurde, ist nach heutigen Maßstäben unbegreiflich: z.B. 21. März 1945:
"Auch die Mitglieder der weiblichen Bereitschaft des DRK, besonders die Fahrerinnen der Krankenwagen, haben sich bis zuletzt bewährt. Die DRK-Männer waren zu einem großen Teil eingezogen. Die Ersatzleute, aus Handwerkskreisen, aus der SA usw., waren nicht ausgebildet, man konnte nicht fest mit ihnen rechnen. Manche hatten schon selbst Bombenschaden oder sie mußten ihre Familien in Sicherheit bringen und Hab und Gut retten. Einige waren bei Bauern in der Umgebung oder in Behelfsheimen untergebracht, man konnte sie nur schwer erreichen. Die Fahrerinnen dagegen schliefen in der Hilfsstelle am Befehlsstand; ein Krankenwagen stand auf dem Hof des Gymnasiums; wurde Hilfe gebraucht, war alles bereit. Es gehörte schon Mut dazu, unmittelbar nach den Angriffen, oft während noch die letzten Bomben fielen oder die Tiefflieger in die Straßen hineinschossen, so selbstverständlich in die Gefahr hineinzufahren. Die Bergung der Verwundeten mußte vielfach unter Bordwaffenbeschuß und bei Bombenabwurf durchgeführt werden."

Durch den schweren Bombenangriff am 22. März 1945 verlor das Bocholter Rote Kreuz die gesamte Ausrüstung. Dies war wahrscheinlich auch einer der Gründe, warum 1945 der Krankentransport von der Städtischen Freiwilligen Feuerwehr übernommen wurde. Am 24. März 1946 teilte der DRK-Kreisverband Bocholt dem Oberbürgermeister der Stadt Bocholt mit, dass im Gebäude der Polizeiverwaltung die soziale Tätigkeit wiederaufgenommen worden sei. Als Gründungsdatum nannte man den 26. November 1945. Seit dem 13. April 1959 wird der DRK-Kreisverband im Vereinsregister beim Amtsgericht Bocholt geführt.

Ein großes Arbeitsfeld nach dem Krieg nahm auch in Bocholt der Suchdienst nach Verschollenen in Anspruch. 1949 wurde u.a. für diesen Aufgabenbereich eine Bürokraft beim DRK eingestellt, weil der Nachforschungsdienst nicht von Ehrenamtlichen allein bewältigt werden konnte.

Das 1949 gegründete Jugend-Rotkreuz hatte im Laufe der Jahrzehnte viele Höhen und Tiefen. Die Mitgliederzahlen schwankten zwischen 20 und 200. Derzeit bemüht sich der DRK-Stadtverband Bocholt, der Bereitschaft eine Jugendgruppe anzugliedern.

1952, im gleichen Jahr als die DRK-Landesverbände Westfalen und Nordrhein eine gemeinsame Blutspendezentrale einrichteten, übernahm das Bocholter Rote Kreuz den Blutspendedienst. Beim ersten Spendetermin im Gesundheitsamt nahmen 36 Personen, davon viele DRK-Mitglieder, teil. Von 1952 bis 2010 spendeten in Bocholt mehr als 115.000 Personen ihr Blut.

Bis 1963 mussten alle Sanitätseinsätze bei Sportveranstaltungen usw. zu Fuß bzw. per Fahrrad erledigt werden. Sperrige Ausrüstung (z.B. Verbandsmaterial, Zelt usw.) fand Platz in einem Fahrradanhänger. Motorisierte Fahrzeuge gab es 1963 wieder als das Land Nordrhein Westfalen für den Unfallrettungsdienst und für den Krankentransport im Katastrophenfall einen Katastrophen-Sanitätszug zur Verfügung stellte, der vom Bocholter DRK mit 27 Helferinnen und Helfern, einem Arzt und einem Katastrophen-Sanitätsführer verstärkt wurde. Bei der Verlegung des St.-Agnes-Hospitals von der Wesemannstraße nach Stenern am 3. Juli 1985 war dieser Katastrophen-Sanitätszug in Form einer Übung durch den Katastrophenschutz der Stadt Bocholt mit 40 Helferinnen und Helfern sowie fünf Fahrzeugen neben weiteren Hilfsorganisationen aus Bocholt erfolgreich beteiligt. Nach ca. 40 Jahren wurde der Katastrophen-Sanitätszug aufgelöst und statt dessen stellt das Bocholter Rote Kreuz eine Betreuungs- und Führungsgruppe der Einsatzeinheit III des Kreises Borken zur Verfügung, die 2004 in Bocholt durch das Land NRW und durch den Bund u.a. mit einer Feldküche ausgestattet wurde.

1967 trat das Gesetz in Kraft, dass Führerscheinerwerber sich über Sofortmaßnahmen am Unfallort informieren müssen. Seitdem werden beim Bocholter DRK Kurse dieser Art angeboten. Erste-Hilfe-Kurse für die Bocholter Bevölkerung stehen seit 1907 bis heute kontinuierlich im Angebot. Dazu gesellten sich ab 1980 regelmäßig Schwesternhelferinnen-Lehrgänge, die zuvor jahrelang nur sporadisch stattfinden konnten. Als Wohlfahrtsverband war es selbstverständlich, das man sich der Senioren- und Behindertenarbeit widmete. Es wurden gegründet: 1962 ein Seniorenclub, 1968 eine Tanzgruppe und ein Singekreis, ferner wurden und werden für Senioren Ferienreisen in verschiedenen Modellen angeboten. Die Sozialarbeit war seit Gründung des Vaterländischen Frauenvereins schon immer je nach Bedarf ein mehr oder weniger großes Tätigkeitsfeld, so z.B. der enorme Einsatz bei der Betreuung der Ungarnflüchtlinge 1956 im Bocholter Stadtwaldlager, die Einrichtung der Kleiderkammer für Bedürftige im Jahre 1957, der Paketversand in die ehemalige DDR, die jährlichen Hilfstransporte nach Akmen? in Litauen von 1990 bis 2008 und seit Juli 2010 erstmalig nach Ushgorod in die Ukraine.

Am 1. Juli 1966 erhielt der Kreisverband einen hauptamtlichen Geschäftsführer. Nach den Herren Demin, Helmes, Göbel und Benning führt seit dem l. Januar 1994 Herr Tenbergen die Geschäfte des DRK Bocholt. Für die Ausbildung der aktiven Mitglieder und für die Bevölkerung dienten Schulungsräume der Polizei (Münsterstraße), Feuerwehr (Meckenemstraße), verschiedene Schulen und ein Flur im Südwall 4a (heute VHS-Gebäude). Im Jahr 1978 bezog das DRK von der Stadt Bocholt angemietete Räumlichkeiten im Hause Hohenstaufenstr. 2, und im Jahr 2001 erwarb es einen auf der Goerdelerstr. 15 gelegenen Kindergarten. Dieses Gebäude wurde umgebaut und ist nun Eigentum des Bocholter Roten Kreuzes.

Unter dem 1. Vorsitzenden Hans-Josef Dahlen (1991 bis 2003) entwickelte sich der Kreisverband Bocholt wie alle anderen Wohlfahrtsverbände zu einem Dienstleistungsbetrieb: Es entstanden Kindergärten und eine Sozialstation.

Durch die Kommunale Neugliederung 1975 verlor die Stadt Bocholt ihre Kreisfreiheit. Auch das Rote Kreuz sollte sich den politischen Grenzen anpassen, aber es dauert noch 35 Jahre bis die DRK-Kreisverbände Bocholt und Borken zum 1. Januar 2010 eine Fusion eingingen. Dem DRK-Kreisverband Borken untersteht das Bocholter Rote Kreuz nun als Stadtverband, dem auch die Ortsteile Suderwick, Barlo, Biemenhorst, Mussum, Stenern und Liedern angegliedert wurden, die bis Ende 2009 anderen DRK-Ortsvereinen im Kreisverband Borken angehörten.

Der DRK-Kindergarten "Lummerland", Bocholt, Dr.-Hochheimer-Straße, eröffnet am 02.01.1996, mußte am 31.07.2005 geschlossen werden, weil in diesem Stadtgebiet weniger Kinder geboren wurden. Im Zuge der Fusion ging bereits am 01.08.2009 die Kindertagesstätte "Stöberland", Bocholt, Knufstraße, eröffnet am 18.05.1994, in die Trägerschaft des DRK-Kreisverbandes Borken über, so dass derzeit das Bocholter Deutsche Rote Kreuz keinen Kindergarten unterhält.

Die am 01.01.1996 eingerichtete DRK-Sozialstation, weiterhin mit Sitz in Bocholt, Goerdelerstr. 15, ist auf Grund der Fusionsvereinbarung eine Gesellschaft geworden, die den Namen "Deutsches Rotes Kreuz gemeinnützige Pflege- und Servicebetriebe Borken-Bocholt GmbH" trägt, und für die in Borken ein Zweitbüro eingerichtet wurde.

Während der alte DRK-Kreisverband Bocholt vor der Fusion für 50.000 Einwohner zuständig war, obliegt dem neuen DRK-Stadtverband nun eine Zuständigkeit für über 73.000 Einwohner.

Ob im ehrenamtlichen oder hauptamtlichen Bereich, als Hilfsorganisation oder Wohlfahrtsverband, standen und stehen aus Liebe zum Menschen Fürsorge und Wohltätigkeit, im Mittelpunkt der Bocholter Rotkreuzarbeit.

Für den Ausflug in die Vergangenheit dienten die Beiträge über das Bocholter Rote Kreuz in der Zeitschrift "Unser Bocholt", Heft 2/1986, S. 3-40 (hrsg. vom Verein für Heimatpflege Bocholt e. V.), das Bocholt Borkener Volksblatt vom 26.06.2010 sowie Auskünfte in der DRK Geschäftsstelle. Wer sich über die Geschichte des DRK intensiver informieren möchte, kann im Stadtarchiv Bocholt, Münsterstraße 76, solange der Vorrat reicht, dieses Heft zum Sonderpreis von 2,-- Euro erwerben.

Annemarie Rotthues